Damoklesschwert Deutsche Rentenversicherung: Sozialversicherungspflicht für Coaches, Trainer, Seminarleiter und Dozenten

Seit 2009 ist Andrea B. hauptsächlich für eine Allgemeine Ortskrankenkasse freiberuflich als Coach und Trainer im Personalbereich engagiert. Vorher war sie dort Angestellte und wechselte auf Idee Ihres Vorgesetzten die Seiten. Natürlich sollte der Start in die Existenzgründung gut geplant und betreut sein, weswegen sie einen Unternehmensberater einschaltete: Fördergelder, Zuschüsse und Unternehmenskonzept wurden besprochen. Dabei kam der Gedanke auch auf die Frage nach der Scheinselbständigkeit und der Sozialversicherungspflicht. Also besprachen die beiden, daß ja ein Statusfeststellungsverfahren durchgeführt werden müsse. Gesagt, getan. Ein Statusfeststellungsverfahren nach § 7 a SGB IV wurde durchgeführt, indem das Formular V 027 ausgefüllt wurde. Die Antwort kam quasi postwendend: von Scheinselbständigkeit keine Spur, ja, es werde bestätigt, daß eine selbständige Tätigkeit vorliege und (auch) zugunsten der AOK keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angenommen werde. Andrea war zufrieden und der Berater stolz wie Oskar.

Kein Jahr später dann der Schreck: Die DRV schickte ein Schreiben, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß Lehrer, Trainer, Dozenten, Seminarleiter und Lehrer nach den Statuten des Sozialversicherungsrechts sozialversicherungspflichtig “seien. Was denn nun?”, fragte sich Andrea und wandte sich noch einmal an den Existenzgründungsberater, der aber schlicht abwinkte und sagte, das Problem sei doch mit dem Statusfeststellungsverfahren geklärt. Nicht ganz zutreffen, um nicht zu sagen, völlig falsch. Es handelt sich hier um zwei Paar Stiefel, wie wir dann aufklären mußten. Denn nach dem Gesetz unterliegen freiberufliche Lehrer grundsätzlich der Sozialversicherungspflicht. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man tatsächlich als Selbständiger eine Schulklasse oder einen VHS-Kurs unterrichtet. Völlig egal ist, wie man sich oder seine Tätigkeit bezeichnet: Kaum einer weiß, daß auch selbständig tätige Coaches, Trainer, Moderatoren, Dozenten oder Seminarleiter Lehrer sind. Die Bezeichnung ist gleichgültig. Nach der Rechtsprechung ist alles Lehrer im Sinne des Sozialrechts, was irgendwie mit Wissensweitergabe durch Unterricht, Kurse, Seminare oder etwa Einzelnachhilfe zu tun hat. Kurzum:

“Lehrer im Sinne der Rentenversicherung ist, wer in irgendeiner Form Wissen, Können oder Fertigkeiten an andere weiter gibt.”

Selbst Supervisoren zählen daher zu den Lehrern. Sportlehrer oder z. B. Aerobic-Trainer fallen jedoch nicht darunter, weil sie die Weitergabe von Fertigkeiten und nicht von Wissen unterrichten.

Jeder, der irgendwie unterrichtet – einzeln oder in Gruppen – muß daher unbedingt prüfen, ob er der Sozialversicherung unterliegt. Die Prüfungsmaßstäbe sind überschaubar und moderat: Sie müssen keine pädagogische Ausbildung nachweisen können. Sie müssen keinem geregelten Berufsbild entsprechen. Es ist sogar gleichgültig, ob Sie die Lehrtätigkeit innerhalb eines eigenen Betriebes ausüben.

ACHTUNG: Sie sind als selbständig tätiger Lehrer verpflichtet, innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit, Ihre Tätigkeit bei der Deutschen Rentenversicherung zu melden! Es gibt für selbständig tätige Lehrer keine Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen!

Wir wissen allerdings, unter welchen engen und ganz bestimmten Voraussetzungen Sie ausnahmsweise keiner Versicherungspflicht unterliegen. Sprechen Sie uns an! Es geht nicht nur um die Sozialversicherungspflicht, auch in Steuerfragen wissen wir Ihnen die richtigen Tipps zu geben.

Haben Sie Fragen zum Thema? Rufen Sie uns einfach an oder mailen Sie uns! Wir beraten Sie wirklich gerne! Getreu dem Credo: Unser Einsatz ist Ihr Gewinn!

Telefon: (0 69) 95 92 91 91-0 oder mailen Sie uns: fragen@recht-hilfreich.de. (Weitere Kontaktdaten im Impressum: www.recht-hilfreich.de/impressum).

Ihr
RA Uwe Martens

elixir rechtsanwälte | martens & partner
(0 69) 95 92 91 91-0

P. S.: Melden Sie sich verspätet, können durch die rückwirkende Feststellung der Versicherungspflicht hohe Nachforderungen entstehen. Außerdem kann auch ein Bußgeld erhoben werden. Durch Ihre rechtzeitige Meldung können Sie beides vermeiden.

 

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Ein Gedanke zu “Damoklesschwert Deutsche Rentenversicherung: Sozialversicherungspflicht für Coaches, Trainer, Seminarleiter und Dozenten

  1. Sehr geehrter Herr Martens,

    Ihr Artikel war sehr hilfreich und konnte mir viele Anregungen geben.

    Vielen Dank für Ihre Antwort
    Henri Brunner

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