So wehren Sie sich gegen Inkassoschreiben – hier erste Vorschläge

Post vom Anwalt oder vom Inkassobüro versetzt so manchen arglosen Bürger in Angst und Schrecken. Wer solche Post erhält, weiß, dass Ärger vorprogrammiert ist. Völlig unabhängig davon, ob mit dem Anwalt- oder Inkassoschreiben eine berechtigte oder eine weniger berechtigte, gar unberechtigte Forderungen erhoben wird, steht nun die Beschäftigung mit einem unangenehmen Thema im Raum.

Wie gehen Sie beim Erhalt eines Inkassoschreibens am Besten vor?

Schauen Sie als erstes, wer Ihnen geschrieben hat. Ist es ein Anwalt oder kontaktiert Sie ein Inkassobüro? Wer ist Auftraggeber dieses Schreibens? Haben das Inkassobüro bzw. der Anwalt eine Vollmacht zum Nachweis der Bevollmächtigung beigefügt? Schauen Sie sich das Schreiben genau an und nutzen Sie die Daten, um sich über den Anwalt oder das Inkassounternehmen im Internet zu informieren. Oft erfahren Sie bereits im Netz, ob es sich um ein Inkassounternehmen handelt, dass von den anderen Nutzern als dubios oder unseriös angesehen wird. Natürlich müssen Sie auch dort die Spreu vom Weizen trennen, da nicht jeder Kommentar im Internet zutreffend sein muss. Aus der Vielzahl der Vermerke können Sie jedoch einen gewissen Rückschluss ziehen, ob Sie es mit einem soliden Forderungseinzug oder doch eher einem zweifelhaften Inkassoversuch zu tun haben.

Neben diesen ersten Hinweisen ist für Sie natürlich besonders wichtig, den Auftraggeber unter die Lupe zu nehmen. Hatten Sie mit ihm Geschäftskontakte und beruht die Forderung auf einem tatsächlichen Kontakt zwischen Ihnen beiden? Kennen Sie den Auftraggeber möglicherweise gar nicht? Was könnte dann die Berechtigung der Forderung sein?

Nutzen Sie die Freiheit, die Ihnen das Recht einräumt:

Reagieren Sie auf das Aufforderungsschreiben möglichst sofort und wenden Sie sich direkt an den Auftraggeber des Forderungseinzugs, Ihren vormaligen Geschäftspartner und nicht an den Anwalt oder das Inkassobüro. Das Gesetz räumt Ihnen die Möglichkeit ein, Anwalt bzw. Inkassobüro zu umgehen! Nehmen Sie keinen Kontakt auf, wird die Inkassomaschinerie von selbst weiterlaufen. Reden Sie mit dem Auftraggeber über die Berechtigung der Forderung und verhandeln Sie mit diesem, ob nicht irgendetwas zu machen sei. Verhandeln Sie in Bezug auf den Grund der Forderung als auch in Bezug auf die Höhe der Forderung. Vielfach sind Gläubiger wider Erwarten bereit, eine einvernehmliche Lösung, einen Vergleich, herbeizuführen, wenn nicht bereits im Vorfeld eine zu starke Verstimmung entstanden war.

Vermeiden Sie, mit dem Anwalt oder Inkassobüro die Einigungsgespräche zuführen, da diese Gespräche üblicherweise für Sie weitere Kosten auslösen! Wenn Sie unmittelbar mit dem Gläubiger, Ihrem vormaligen Geschäftspartner, sprechen und verhandeln, ohne dass der Inkassodienstleister mitredet, können Ihnen keine zusätzlichen Gebühren aufgebürdet werden. Lehnt Ihr Gläubiger ein Telefonat ab? Dann schreiben Sie ihm einen Brief oder eine E-Mail. Schlagen Sie dabei einen freundlichen und verbindlichen Ton an. Stellen Sie Ihre Situation dar und weswegen Sie bisher die Forderung nicht beglichen haben. So kann Verständnis beim Gläubiger geweckt werden. Bleiben Ihre sämtlichen Kontaktversuche durch den Gläubiger unbeantwortet, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich an den Verfasser des Aufforderungsschreibens selbst zu wenden (Anwalt/Inkassobüro). Tragen Sie ihm die Punkte vor – natürlich schriftlich! -, die Sie veranlasst haben, die angeforderte Forderung nicht zu begleichen. Seien Sie hierbei aber vorsichtig. Es gilt der Grundsatz: Wer schreibt, der bleibt! Das heißt: Schreiben Sie Sachen auf, die für Sie nachteilig sein können, wirken Ihre Schreiben natürlich auch gegen Sie. Bevor Sie allerdings Kontakt zum gegnerischen Anwalt bzw. Inkassobüro aufnehmen, sollten Sie die Forderung im Einzelnen sehr genau prüfen. Auf welcher Rechtsgrundlage wird Ihnen gegenüber die Forderung erhoben? Was ist der Hintergrund? Haben Sie entgegenstehende Rechte, die die Forderung dem Grunde oder der Höhe nach einschränken? Ist die Forderung bereits fällig?

Bei der Forderungsprüfung sind viele Aspekte zu beachten, da nicht jede Forderung auf einer vertraglichen Basis beruht, aber dennoch berechtigt sein kann. Es gibt beispielsweise gesetzliche Schuldverhältnisse oder Ansprüche, die für Laien nicht immer von Anfang an zu erkennen sind. Handelt es sich um eine komplizierte Rechtsangelegenheit, hilft nur der Weg zum Anwalt. Bei komplizierten oder rechtlich anspruchsvollen Angelegenheiten sollten Sie daher unbedingt einen Anwalt einschalten. Die Kosten können Sie im außergerichtlichen Bereich mit dem Anwalt frei verhandeln. Verständige Anwälte haben hierfür in der Regel ein offenes Ohr. Natürlich können Sie sich auch direkt an uns wenden. Wir lassen uns von Ihnen die Hintergründe der Angelegenheit schildern. Dadurch entstehen Ihnen natürlich noch keinerlei Kosten. Erst danach geben wir Ihnen einen Vorschlag über die Kosten und über das weitere Vorgehen.

Ist die gegen Sie erhobene Forderung tatsächlich berechtigt? Kostenschonend ist dann oft ein Anerkenntnis oder Teilanerkenntnis der Forderung, wenn tatsächlich ein Anspruch berechtigt geltend gemacht wurde. Erkennen Sie die Forderung unmittelbar ganz oder zum Teil an, entsteht Ihnen keine allzu hohe Kostenbelastung, insbesondere fehlt es dann noch an einer vergleichsweisen Einigung, so dass keine Einigungsgebühr entsteht, die Sie bezahlen müssten. Ansonsten wird natürlich im Rahmen der Kontaktaufnahme mit dem Anwalt oder Inkassobüro oft ein Vergleich ausgehandelt werden, der weitere Kosten nach sich zieht.

Bevor Sie allerdings Kontakt zum gegnerischen Anwalt bzw. Inkassobüro aufnehmen, sollten Sie die Forderung im Einzelnen sehr genau prüfen. Auf welcher Rechtsgrundlage wird Ihnen gegenüber die Forderung erhoben? Was ist der Hintergrund? Haben Sie entgegenstehende Rechte, die die Forderung dem Grunde oder der Höhe nach einschränken? Ist die Forderung bereits fällig?

Bei der Forderungsprüfung sind viele Aspekte zu beachten, da nicht jede Forderung auf einer vertraglichen Basis beruht, aber dennoch berechtigt sein kann. Es gibt beispielsweise gesetzliche Schuldverhältnisse oder Ansprüche, die für Laien nicht immer von Anfang an zu erkennen sind. Handelt es sich um eine komplizierte Rechtsangelegenheit, hilft nur der Weg zum Anwalt.

Fragen? Bitte rufen Sie uns an: (0 69) 95 92 91 91-0 oder mailen Sie uns: fragen@recht-hilfreich.de. (Weitere Kontaktdaten im Impressum: www.recht-hilfreich.de/impressum).

Ihr
RA Uwe Martens

elixir rechtsanwälte | martens & partner
RA Uwe Martens
(0 69) 95 92 91 91-0

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4 Gedanken zu „So wehren Sie sich gegen Inkassoschreiben – hier erste Vorschläge

  1. Ich habe Ihre Seite zum Thema Forderungen gelesen.
    Interessiert war ich die allerdings an einer Antwort auf Frage, ob Anwälte die Rechtsgrundlage für eine Forderung zu beschreiben haben, wenn sie Forderungen durchsetzen sollen. Besteht also die Anwaltspflicht, eine Forderungsprüfung auf Rechtmäßigkeit durchzuführen, ehe sie die Forderung einen vermeintlichen Schuldner zusenden? Diese Frage wurde durch Ihre Seite nicht beantwortet. Falls eine Anwort darauf kostenfrei ist, dann bitte ich um Ihre Ansichten. Evtl. ist es sogar Anwaltspflicht, die Grundlage zu prüfen, ehe eine Forderung versandt wird.

    • Grundsätzlich halten wir es für eine anwaltliche Pflicht, die Anspruchsberechtigung einer behaupteten Forderung zu überprüfen. Natürlich gibt es aber in diesem Zusammenhang auch Forderungen und Ansprüche, bei denen die Anspruchsberechtigung nicht immer klar zu erkennen oder zu überprüfen ist, also z. B. Fragen der Beweisbarkeit auftreten.

      Der Anwaltsgerichtshof Nordrhein-Westfalen hat jüngst das Vorgehen eines Anwalts beim Masseninkasso geprüft und in diesem Zusammenhang u. a. wie folgt ausgeführt:

      Allerdings ist allein der Umstand, dass ein Anwalt eine nicht bestehende Forderung geltend macht oder eine bestehende Forderung bestreitet, für sich genommen noch nicht berufsrechtswidrig. Selbst wenn der Anwalt damit rechnet, dass die von ihm geltend gemachte Forderung nicht besteht, dürfte dies letztlich nicht zu beanstanden sein. (…) Wer als Rechtsanwalt – wie hier der Kläger – in einer Vielzahl von Fällen systematisch mit anwaltlicher Autorität Forderungen beitreibt, bei denen er damit rechnen muss, dass ein Großteil von ihnen nicht berechtigt ist, weil er die nach der herrschenden Meinung und obergerichtlichen Rechtsprechung gebotene Prüfung der Tatbestandsvoraussetzungen im Einzelfall nicht vorgenommen und die Erforderlichkeit sowie Zweckmäßigkeit der doppelten Beauftragung von Inkassounternehmen und Rechtsanwalt nicht festgestellt hat, übt seinen Beruf nicht gewissenhaft aus und verstößt gegen § 43 BRAO.„.

      (Quelle: http://www.justiz.nrw.de/nrwe/anwgh/j2011/2_AGH_48_10urteil20110107.html)

      Diese Entscheidung ist allerdings auf durchaus harsche Kritik renommierter Kollegen gestoßen, die entsprechende Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlicht haben (NJW).

      Ihre gestellte Frage und die Rechtslage ist also durchaus umstritten und nicht eindeutig zu beantworten. Wir schließen uns jedoch der Ansicht an, daß jede Forderung im einzelnen zu prüfen ist.

  2. Für die Informationen bedanke ich mich. Eine Beantwortung meiner Rechtsfrage liegt in der Berufsehre, die nicht eindeutig per Gesetz regelbar erscheint.
    Für weitere Diskussion stehe ich gerne zur Verfügung.

  3. JEDES Inkassobüro ist dubios. Im Rahmen der Kostenminderung ist der Gläubiger verpflichtet SOFORT einen Anwalt einzuschalten. Diese zusätzlichen Kosten wären m.W. einklagbar. Das Inkassobüro muss keineswegs bezahlt werden. Es existiert die Redewendung: „Wer die Musik bestellt, bezahlt“ Im übertragenen Sinne heißt das, dass ein Auftraggeber auch verpflichtet ist eine erbrachte Leistung zu honorieren. Da ich,sollte soetwas bei mir passieren, das Inkassobüro nicht beauftragt habe bei mir Gelder beizutreiben, bin ich nicht zahlungspflichtig.
    Es empfiehlt sich, den ausstehenden Betrag ohne Inkassokosten direkt an den Gläubiger zu zahlen. Natürlich wird man dann noch ein Schreiben des Inkassounternehmens mit der Honorarforderung bekommen, aber dann teilt man denen das wie oben beschrieben mit und dann ist die Sache erledigt.

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