Aufklärungspflichten in der Zahnheilkunde

Ebenso wie medizinische Eingriffe sind auch die des Zahnarztes tatbestandliche vorsätzliche Körperverletzungen, welche als solche nur dann nicht straf- und zivilrechtlich verfolgt werden können, wenn eine Einwilligung des Patienten vorliegt. Regelmäßig ist diese aber nur dann wirksam, wenn der Patient durch den Arzt über die Risiken des Eingriffs umfassend aufgeklärt wurde. Man unterscheidet dabei grundlegend zwischen der sogenannten Sicherheits- oder therapeutischen Aufklärung einerseits und der Eingriffs- und Risikoaufklärung andererseits.

Die Reichweite dieser Aufklärungspflichten wirft immer wieder erhebliche Schwierigkeiten und Fragen auf:

  • So sahen sich Zahnärzte immer wieder Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen ausgesetzt,  weil sie Amalgam als Füllstoff verwendeten. Regelmäßig sind solche Ansprüche aber nicht durchsetzbar. Nur in Ausnahmefällen bestehen besondere Aufklärungspflichten im Zusammenhang mit Amalgam. Dies liegt sicherlich auch daran, dass es bis heute keine wissenschaftlich nachgewiesenen Gesundheitsgefährdungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Amalgamfüllungen gibt.
  • Problematisch ist auch regelmäßig die Frage nach dem Umfang der Aufklärung über alternative Behandlungsmöglichkeiten. Hier ist zu unterscheiden zwischen Behandlungen, die dem medizinischen Standard entsprechen und solchen, die dies nicht tun. Erforderlich ist eine umfassende Aufklärung in jedem Fall, wenn es mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten gibt.
  • Komplikationen im Zusammenhang mit der Extraktion von Weisheitszähnen sind häufig. Daher ist die Aufklärung vor einer solchen Maßnahme von besonderer
    Bedeutung. Die Rechtsprechung muss sich hier regelmäßig mit dem Risiko des Kieferbruchs und diversen Nervschädigungen auseinandersetzen.
  • Vor zahnärztlichen Implantatbehandlungen ist in jedem Fall umfassend aufzuklären. So sind zum Beispiel osteolytische Prozesse an den Implantaten, die zur Lockerung der gesamten Konstruktion führen und es erforderlich machen, die Implantate samt Brücke zu entfernen, um weitere Knochenabbauvorgänge zu verhindern, grundsätzlich als mögliche Komplikation der Insertion künstlicher Zahnwurzeln anzusehen.
  • Probleme können sich auch bei der Zahnüberkronung ergeben. Besonders zu beachten ist hier, dass die Anforderungen an die Aufklärungspflicht umso größer sind, je weniger dringlich sich ein Eingriff nach medizinischer Indikation und Heilungsaussicht darstellt. Große Bedeutung erlangt dieses Problem, wenn ein Eingriff lediglich zu kosmetischen Zwecken erfolgt.
  • Besonders schwierig zu erfassen sind Fälle, in denen sich die Aufklärungspflicht aus den Besonderheiten des Einzelfalls ergibt!
  • Die Pflicht zur wirtschaftlichen Aufklärung ist von der Aufklärung zum Zwecke der Einwilligung des Patienten zu trennen und wird regelmäßig durch Fertigung eines Heil- und Kostenplans erfüllt. Die Abklärung der Frage, ob die Versicherung die anfallenden Kosten übernimmt, ist dann grundsätzlich Sache des Patienten.

Von Bedeutung ist regelmäßig auch die Frage des richtigen Zeitpunkts der Aufklärung. Hier hat die Rechtsprechung den Grundsatz herausgebildet, dass der Patient vor dem beabsichtigten Eingriff so rechtzeitig aufgeklärt werden muss, dass er durch hinreichende Abwägung der für und gegen den Eingriff sprechenden Gründe seine Entscheidungsfreiheit und damit sein Selbstbestimmungsrecht in angemessener Weise wahren kann.

Fragen im Zusammenhang mit der Richtigen Aufklärung Ihrer Patienten beantworten wir Ihnen gerne. Sprechen Sie uns an!

Ihr Rechtsanwalt Florian Schuh

elixir rechtsanwälte | martens & partner
Tel.: (069) 95 92 91 91 0
fragen@recht-hilfreich.de

 

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