Groteske Versicherungsforderung: Kfz-Versicherer verlangt von Mandant für zwei Monate Versicherungsschutz über 700 Euro

Eigentlich hörte sich das ganze Mandat nach routinierter Forderungsabwehr an. Die Mandantschaft hatte einen Gebrauchtwagen mit geschmeidigen 47 kw (64 PS) gekauft und bei einer der größten deutschen Kfz-Versicherungen mit Teilkasko versichert. Bisher alles im üblichen Rahmen. Nun wollte aber die ungeschickte Fahrweise eines Straßenteilnehmers den Gebrauchtwagen nicht länger einsatzfähig halten und rauschte mit beachtlicher Geschwindigkeit in das neu erworbene Stück. Die Folge: Totalschaden nach zwei Monaten Fahrfreude. Der Schrottwert wird einem afrikanischen Autohändler angeboten, der auch kauft und die Versicherung ordentlich abmeldet. Nicht – wie man erwartet hätte – beim Autohandel oder dem Export ins Ausland begannen die Probleme. Nein, die Versicherung bot nun einen bunten Blumenstrauß an Überraschungen:

step 1: Die Versicherung forderte nun für die zwei Wochen Versicherungsschutz, was andere für ein ganzes Jahr zahlen: über 600,00 EUR sollten fällig sein und zwar zackig.

step 2: Nicht genug damit. Die Versicherung besonn sich eines besseren und legte noch einmal über 160,00 EUR in Form eines Nachtrages drauf – vorgeblich wegen einer gewünschten Rückdatierung.

step 3: Nachdem die Forderung nicht bezahlt wurde, schaltete die Versicherung ein Inkassobüro ein. Die Folge: nur lästige Textbausteine, ohne eine inhaltliche Beschäftigung mit dem Fall. Dafür aber Zusatzkosten von weiteren 100 Euro und mehr.

step 5: Wir probieren es mit Sachargumenten. Reaktion des Inkassoclubs? Die Versicherung habe nur einen offenen Zeitraum von 50 Tagen Versicherungszeit festgestellt. Die Forderung bleibe aber bestehen. Beweis: Versicherungsmahnungen + Forderungsaufstellung. Inhaltliche Diskussion? Null.

step 6: Wir wollen die Sache aussitzen. Damit sind ja schon berühmtere Leute durchgekommen.

step 7: Nach x-Sachstandsaufforderungen und Inkassoschreiben sowie wenig ernst geführter Vergleichsbemühungen flatterte – endlich – ein Mahnbescheid herein – mit neuer Überraschung: Jetzt werden von Versicherung und Inkassofirma neben den außergerichtlichen Inkassokosten noch zusätzlich vorgerichtliche Anwaltskosten in Höhe von weiteren über 100 Euro eingefordert. Skuril daran ist nur: Weder sind die Prozeßbevollmächtigten auf dem Mahnbescheid benannt – sie haben quasi nur eine Gebührenspur, aber keinen Namen hinterlassen – noch traten irgendwelche Anwälte im außergerichtichen Verfahren – außer uns 🙂 – auf.

step 8: Wir sehen in so einem Aufblähen der Forderung Beschiß Betrug. Also haben wir eine E-Mail an die Geschäftsführer der Inkassofirma (persönlich) gesandt und den Sachverhalt beschrieben und um Stellungnahme gebeten. Die Antwort: Wir dürfen wie Anwälte abrechnen, sagen die Inkassoleutchen. Wow, welch Verdienstmöglichkeit: 2 x (doppelt!) außergerichtlich abrechnen. Wir sind uns sicher: Sämtliche Anwaltskollegen würden bei solchen Möglichkeiten nur noch halb soviel arbeiten.

Nun, seither ist Ruhe. Vielleicht hat der Inkassoclub nur ein wenig mehr Zeit zum Nachdenken gebraucht, um zu erkennen, daß man nicht einfach Gebührenexplosion betreiben darf. Uns wundert nur, daß ein großer Versicherer solch einen Laden als seine Inkassostelle einsetzt. Wir meinen: peinlich und wahrlich keine gute Reputation. So langsam gesellen sich zu den zwei „legalisierten Verbrechern“ Banken und Versicherungen noch Inkassofirmen dazu. Echt schade für die anständige Zunft im Forderungsmanagement.

Haben Sie Fragen zur Forderungsabwehr und Inkassoverteidigung? Rufen Sie uns einfach an oder mailen Sie uns! Wir beraten Sie wirklich gerne! Getreu dem Credo: Unser Einsatz ist Ihr Gewinn! Telefon: (0 69) 95 92 91 91-0 oder Mail: fragen@recht-hilfreich.de. (Weitere Kontaktdaten im Impressum: www.recht-hilfreich.de/impressum).

Ihr

Rechtsanwalt Uwe Martens

elixir rechtsanwälte | martens & partner
(0 69) 95 92 91 91-0

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