So kontrollieren Sie die Kosten für Inkasso, Forderungsbeitreibung bzw. Forderungseinzug

Keiner möchte gutem Geld noch besseres hinterherwerfen, schon gar nicht, um unbezahlte Rechnungen einzutreiben. Daher ist im Vorfeld der Beauftragung eines Inkassoanwaltes oder eines Inkassobüros genau darauf zu achten, welche Kosten durch die Forderungseinziehung insgesamt ausgelöst werden und wie hoch Ihr Kostenrisiko insgesamt ist. Gerade in Bezug auf das Gesamtkostenrisiko halten sich Inkassounternehmen überraschend dezent zurück. Der Grund dürfte darin liegen, daß zur Einschätzung des Gesamtkostenrisikos nicht nur die finanzielle Beurteilung nach Streitwert / Gegenstandswert, Gebühren und Gerichtskosten zählt, sondern gerade die Erfolgsaussichten der Forderungsdurchsetzung eingeschätzt werden müssen. Nehmen wir kurz ein Rechenbeispiel. Ein Schuldner hat bei Ihnen Außenstände sagen wir in Höhe von 6.100 Euro. Dann können Sie die Kosten berechnen, z. B. mit Hilfe eines Gebührenrechners (Stichwort für Suchmaschinen: RVG Rechner) und kommen zu dem Ergebnis, daß außergerichtlich Nettokosten iHv. 487,50 Euro entstehen. Die vorgerichtlichen Gesamtkosten (für einen Anwalt) belaufen sich all-inclusive auf 1.273,30 Euro. Das finanzielle Gesamtkostenrisiko der Forderungsdurchsetzung kann sich jedoch auf stolze 10.390,42 Euro belaufen, also weit mehr als der ursprüngliche Außenstand! So kann Inkasso schnell zur Kostenfalle werden. Daher mahnen wir zur Vorsicht:

TIPP: Geben Sie nicht blindlings Forderungen zum Inkasso, sondern lassen Sie sich im Vorfeld über die Erfolgsaussichten und das Gesamtkostenrisiko, also die außergerichtlichen und gerichtlichen Kosten, ausführlich informieren! Seriöse Anbieter von Inkassoleistungen, also Anwälte und Inkassofirmen, machen das ohnehin von sich aus.

Wie können Sie nun die Kosten für Ihr Inkasso kontrollieren?

Als erstes wird Ihnen sicherlich die Idee in den Sinn kommen, das Risiko abzuwälzen, am besten auf einen Dritten. Sie können beispielsweise Ihre Forderungen (mit einem durchaus satten) Abschlag verkaufen und einen Dritten die Forderung einziehen lassen. Nichts anderes verbirgt sich in der ein oder anderen Gestaltung des Factoring. Die Kosten dafür dürfen allerdings nicht unterschätzt werden, da bei einer Abtretung der Forderung stets mit erheblichen Abschlägen zu rechnen ist. Factoring ist insgesamt sehr risikoarm, aber auf der Gegenseite recht teuer.

VORSICHT: Auch so manches – durchaus renommiertes – Inkassobüro arbeitet mit Factoringelementen und läßt sich die einzutreibende Forderung abtreten, um dann von der eingetriebenen Forderung ein – teures! – Erfolgshonorar abzuziehen. Hier sind die Kosten auch unverhältnismäßig hoch. Unsere Empfehlung: Finger weg von Forderungsabtretungen an Inkassobüros, wenn diese Abtretung zusätzlich zu den Inkassogebühren kommt.

Sie können auch an eine Kreditausfallversicherung denken. Dazu müssen neben den Kosten für die Versicherung auch einplanen, daß die gängigen Kreditausfallversicherungen voraussetzen, daß die Forderung tituliert wurde, Sie also Anwaltskosten und Gerichtsverfahren selbst bezahlen müssen. Erst im Fall der Insolvenz des Schuldners greift die Kreditausfallversicherung. Dafür ist sie in der Regel zu teuer.

Gelegentlich wird auch im Internet mit einer Forderungsausfallversicherung geworben. Das wäre doch was. Nur hinter dem schönen Namen verbirgt sich – soweit wir sehen konnten – nichts anderes als eine Werbemasche von Inkassodienstleistern: gleiche Kosten, gleiches Risiko wie bei der direkten Inkassobürobeauftragung.

Nach unserer Ansicht – und das sagen wir nicht nur, weil wir selbst Anwälte sind – können Sie das vernünftigste Preisgefüge mit einem Anwalt aushandeln. Er wird individuell Ihre Angelegenheiten anschauen und mit Ihnen einen Preis vereinbaren können, der den Erfolgsaussichten der Forderungseinziehung gerecht wird. Im außergerichtlichen Bereich dürfen Anwälte vollständig frei verhandeln. Erst in Gerichtsverfahren müssen die gesetzlichen Gebühren nach dem RVG angesetzt werden, wobei die außergerichtlichen Kosten angerechnet werden (müssen). So gesehen eine reine Frage Ihres Verhandlungsgeschicks. Wenn der Anwalt Ihnen in seinem Preis zu wenig Flexibilität zeigt, können Sie ja das Aufgabenfeld erweitern und nachfragen, ob eine Sichtung Ihrer AGBs, Ihrer Lieferscheine, Rechnungen, Verträge usw. einbezogen werden kann.

Klären Sie umfassend die Bereiche, die Sie dem Anwalt zur Betreuung geben wollen. Beauftragen Sie den Anwalt Ihres Vertrauens – nach schriftlicher Kostenvereinbarung – und testen Sie ihn eine Zeit lang. Dann können Sie neu in die Verhandlungen einsteigen. Vielleicht noch ein kleiner Tipp: Nicht immer ist der günstigste Anwalt auch der beste. Denn ein Fünkchen Wahrheit schwingt in der Weisheit „Guter Rat ist teuer“ mit.

Bei der Verhandlung mit dem Anwalt wollen Sie bitte beachten, daß im Falle des Unterliegens in der Regel der Schuldner die Kosten Ihres Anwaltes tragen muß. Ein durchaus für Sie bestechendes und kostensparendes Argument, einen Anwalt zu beauftragen. Je erfolgreicher ein Anwalt für Sie agiert, desto günstiger kann es werden.

Haben Sie Fragen zum Inkasso? Rufen Sie uns [(0 69) 95 92 91 91-0] an oder schicken Sie uns eine Mail fragen@recht-hilfreich.de. Wir helfen Ihnen gerne. Getreu dem Motto: Unser Einsatz ist Ihr Gewinn!

Ihr

Rechtsanwalt Uwe Martens

 

 

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