Handykosten im Ausland / Anbieter muss auf Roamingkosten hinweisen

Wer z.B. die Schweiz fährt, der wird schnell feststellen, dass ein vergessener Datendienst auf dem Handy zur Kostenfalle werden kann. Es wird leicht übersehen, dass die Schweiz nicht zur EU gehört. Daher gelten auch die günstigen Roaming-Tarife nicht, die die deutschen Mobilfunkprovider auf Druck der EU-Kommission eingeführt haben. Daher können Telefon- und Internetkosten leicht so hoch steigen, wie in den USA und anderen Nicht-EU-Ländern.

Die Kosten sind enorm. In der Schweiz kostet jedes MB, welches über Roaming abgerechnet wird, mehr als 15,00 €! Wer also vergisst, dass Daten-Roaming bei seinem Handy abzuschalten, kommt mit dem automatischen Download von Updates, dem Synchronisieren der E-Mails und anderen Hintergrunddiensten schnell auf über 1.000,00 € Handykosten in wenigen Tagen. Dies entspricht nicht einmal 70 MB Datenvolumen. Kein Wunder also, dass die EU dieser Abzocke einen Riegel vorgeschoben hat.

Für Nicht-EU-Länder gibt es derzeit aber keine gesetzlichen Regelungen. Hier helfen die nationalen Gerichte. In vielen Fällen haben Provider die Pflicht, auf ungewöhnlich hohe Kosten hinzuweisen und den Zugang notfalls zu sperren, bis diese Sperre bewusst vom Nutzer wieder aufgehoben wird.

So führt das Amtsgericht Wiesbaden in einer aktuellen Entscheidung aus:

„Die Klägerin (Anm.: hier der Provider) hat das für sie erkennbare Interesse der Beklagten, die Kosten für die mobile Internetnutzung unabhängig von Nutzungsdauer und Datenvolumen überschaubar und gering zu halten, verletzt.“

Eine entsprechende Entscheidung des Bundesgerichtshofes gibt es für Festnetzanschlüsse mit Datentarifen:

Unter dem Vorbehalt, dass die notwendigen technischen Mittel im maßgeblichen Zeitraum zur Verfügung stehen, ist der TK-Anbieter bei ungewöhnlichem Nutzungsverhalten (hier: ständige Verbindung eines Routers mit dem Internet bei zeitabhängigem Tarif), das zu einer Kostenexplosion führt, zur Schadensbegrenzung verpflichtet, dem Kunden einen entsprechenden Hinweis zu geben. Dies schließt die Nutzung entsprechender Computerprogramme ein, die ein solches abweichendes Verhalten erkennen.

Es bestehen mithin gute Möglichkeiten, hohe Handyrechnungen zurückzuweisen oder zumindest mit dem Anbieter zu verhandeln. Gerne unterstützen wir Sie hierbei und helfen Ihnen, ungewöhnlich hohe Telefonrechnungen zu verringern.

Für Ihren nächsten Auslandsaufenthalt sollten Sie unbedingt folgendes beachten:

  • Kontrollieren Sie die Internetverbindungen Ihres Handys und verhindern Sie ein unbemerktes Einwählen. Die entsprechenden Einstellungen für Ihr Telefon finden Sie in der Bedienungsanleitung oder im Internet
  • Sprechen Sie Ihren Telefonanbieter auf Auslandskosten an und buchen Sie ggf. einen entsprechenden Datentarif für das Reiseland. Achten Sie auf die Unterschiede innerhalb und außerhalb der EU
  • Informieren Sie sich über die Kosten einer Handykarte im Reiseland. Oft sind die Tarife günstiger als Verbindungen über Ihre deutsche Karte

Benötigen Sie Hilfe bei der Zurückweisung von zu hohen Handyrechnungen? Kontaktieren Sie uns. Gerne helfen wir Ihnen weiter.

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Florian Schuh ist Rechtsanwalt und Partner bei den elixir rechtsanwälten | martens & partner, Frankfurt am Main, mit den Tätigkeitsschwerpunkten Handels-, Unternehmens- und Gesellschaftsrecht sowie Wettbewerbsrecht und Erbrecht.

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1 Kommentar zu: “Handykosten im Ausland / Anbieter muss auf Roamingkosten hinweisen”

  1. Guter Beitrag, hilfreich wenn man Probleme mit der Rechnung bekommt!
    Hier ist auch noch eine Seite, die Tipps und Tricks bzgl Prävention von zu hohen Handykosten im Ausland verrät!

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