Erfahrungen & Bewertungen zu elixir rechtsanwšlte √úbereifriges Inkasso birgt N√∂tigungsgefahr: So vermeiden Sie den klassischen Inkassofehler

Übereifriges Inkasso birgt Nötigungsgefahr: So vermeiden Sie den klassischen Inkassofehler

J√ľngst flattert wieder ein Inkassoschreiben eines jungen Kollegen auf den Tisch. Er erhebt gegen unsere Mandantschaft eine Forderung von rund 200 Euro. Eigentlich ein wirklicher Kleinkram und nicht weiter der Rede wert, w√§re da nicht der durchaus pikante Hintergrund:

Unser Mandant behauptet, auf die Forderung sei wirksam verzichtet worden und zeigt uns eine PDF-Kopie eines Quittungsblocksdurchschlags auf dem tats√§chlich die Unterschrift unter dem Verzicht steht. Der Gegenanwalt f√ľhrt allerdings eine gewagte Argumentation ins Feld: Die Quittung sei gef√§lscht. Das sei Urkundenf√§lschung und gleichzeitig noch Betrug. Daher sei es besser, die Forderung doch zu bezahlen. Na ja, ansonsten m√ľsse er halt Strafanzeige erstatten. Da waren wir doch ganz sch√∂n perplex. Solche gewagten Ausf√ľhrungen wegen 200 Euro. Hola! Der Rest des Schreibens √ľberschl√§gt sich allerdings vor H√∂flichkeit. Doch im Kern ist das schon wohl zu starker Tobak.

Hat sich der Kollege eigentlich die Originalquittung seines Mandanten mal vorlegen lassen, um den Wahrheitsgehalt der Mandantenaussage zu √ľberpr√ľfen? Dem Schreiben ist dies jedenfalls nicht zu entnehmen. Und hat sich der Kollege mal den Zusammenhang zwischen der Aussage: „bitte zahl“ und „sonst erstatte ich Anzeige“ √ľberlegt? Hier k√∂nnten sensible Gem√ľter glatt eine N√∂tigung sehen.

Ein Sahneh√§upchen kommt noch oben drauf: Die Ausf√ľhrungen werden noch damit weiter gesteigert, da√ü f√ľr die Erstattung der Anzeige weitere 400 Euro anfielen und unserem Mandanten angelastet werden m√ľ√üten. Ja, und schlie√ülich habe er, der Anwalt, auch noch das Recht, seine Kosten von unserem Mandanten einzufordern, auch wenn schon ein Inkassob√ľro die Kosten f√ľr au√üergerichtliche T√§tigkeit geltend gemacht hatte.

Hier verkennt der Kollege einige Kostengrunds√§tze: Au√üergerichtlich kann der gegnerische Mandant allenfalls nur einmal Kostenerstattung verlangen. Alles andere verst√∂√üt gegen den Grundsatz der Schadensminderungspflicht. Neu ist uns auch, da√ü die Kosten f√ľr eine Strafanzeige im Inkasso dem Gegner aufgeb√ľrdet werden k√∂nnen. Da w√ľrden wir doch gerne die Rechtsgrundlage erfahren.

Unser Mandant war so wenig √ľber das Anwaltsschreiben erbaut, da√ü er gleich alle Rechtsmittel aussch√∂pfte: Staatsanwaltschaft, Rechtsanwaltskammer und Forderungsabwehr mit uns. Hier war der Kollege also deutlich √ľber das Ziel hinausgeschossen und mu√ü nun mit impulsiver Reaktion zurechtkommen.

Umsichtiges Inkasso hei√üt auch, da√ü man die Verh√§ltnism√§√üigkeit im Blick hat. Die umstrittene Urkunde h√§tte ja auch problemlos in einem Zivilverfahren √ľberpr√ľft werden k√∂nnen.

TIPP:

Vermeiden Sie unbedingt, mit Ihrer Zahlungsaufforderung zu n√∂tigen! Wie? Drohen Sie kein empfindliches √úbel an, schon gar nicht in einer Wenn-Dann-Konstellation! Sagen Sie doch einfach, Sie m√∂chten jetzt bitte Ihr Geld. Punkt. Welche Konsequenzen eine ausbleibende Zahlung hat, k√∂nnen Sie dann immer noch unter Beweis stellen. Sie m√ľssen es ja nicht ank√ľndigen. Wozu? Unser Inkassowissen zeigt, da√ü Drohungen die Zahlungen nicht beschleunigen. Das ist ein verbreiteter Trugschlu√ü. – Beauftragen Sie lieber uns mit dem Forderungseinzug.

 

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Uwe Martens ist Rechtsanwalt bei elixir rechtsanwälte | martens & partner, Frankfurt am Main. Er ist besonders in den Bereichen Wirtschafts- / Unternehmensrecht, Inkasso / Inkasso-Abwehr und Recht der freien Berufe (insb. Arztrecht) tätig.

6 Kommentare zu: “√úbereifriges Inkasso birgt N√∂tigungsgefahr: So vermeiden Sie den klassischen Inkassofehler”

  1. Wissensdurstiger sagt:

    Sehr geehrter Herr Martens,

    darf man erfahren, wer dieser „junge Kollege“ ist ? Daran d√ľrfte es ein erhebliches √∂ffentliches Interesse geben, da er ja wahrscheinlich auch versuchen wird auf andere Betroffene mit dieser Methode Druck auszu√ľben …

    VG

    • Uwe Martens sagt:

      Ihr Interesse und Ihre Neugierde k√∂nnen wir nachvollziehen, genauso wie das √∂ffentliche Interesse. Nach der Struktur des Falles sieht es jedoch nach einem einmaligen Vorgang aus, so da√ü Sie hoffentlich nicht f√ľrchten m√ľssen, einem solchen Anwaltsschreiben ausgesetzt zu werden. Wer Anwaltsschreiben oder Inkassoschreiben dieser unberechtigten Art und Weise erh√§lt, kann sich gerne an uns wenden. Wir wissen, in solchen F√§llen zu helfen.

    • Uwe Martens sagt:

      P. S.: Er kommt nicht aus Osnabr√ľck ūüėČ

  2. Wissensdurstiger sagt:

    Den Hintergrund der Frage gut antizipiert ūüėČ

  3. Femmedusoleil sagt:

    Darf ich Ihren Artikel unter Angabe Ihrer Internet-Seite und Linksdresse zitieren?

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