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Rechnung vom Steuerberater prĂŒfen

Eine Steuerberaterabrechnung im Detail zu prĂŒfen ist aufwendig und umfangreich. Es lĂ€sst sich aber dennoch in den meisten FĂ€llen recht schnell erkennen, ob die Abrechnung zumindest grob den gesetzlichen Anforderungen entspricht und keine ĂŒberzogenen GebĂŒhren enthĂ€lt. HierfĂŒr gebe ich Ihnen hier eine kurze Einleitung, mit der Sie selbst in der Lage sein werden, eine Abrechnung zu verstehen und nachvollziehen zu können.

ZunĂ€chst muss die Abrechnung einige Formalien erfĂŒllen.

Die Abrechnung muss enthalten:

  • Die Unterschrift des Steuerberaters.
  • Die Berechnung der GebĂŒhren.
  • Die BetrĂ€ge der einzelnen GebĂŒhren und Auslagen sowie ggf. die VorschĂŒsse.
  • Eine kurze Bezeichnung des jeweiligen GebĂŒhrentatbestands.
  • Die Bezeichnung der Auslagen sowie die angewandten Vorschriften der GebĂŒhrenverordnung (SteuerberatervergĂŒtungsverordnung – StBVV).
  • Bei allen WertgebĂŒhren (z.B. mit 5/10 ausgewiesen) muss der Gegenstandswert und der GebĂŒhrenrahmen (z.B. 1/10 bis 10/10) angegeben sein.

Liegen diese Angaben vor, dann mĂŒssen Sie sich die einzelnen GebĂŒhrentatbestĂ€nde anschauen. SelbstverstĂ€ndlich muss der Steuerberater die angegebenen Leistungen auch erbracht haben. Im Zweifel fragen Sie beim SteuerbĂŒro nach.

Eine typische Abrechnung kann z.B. so aussehen (hier ErbschaftssteuererklÀrung mit Nachberechnung und Gutschrift):

Abrechnung nach RahmengebĂŒhren:

1.PrĂŒfen Sie zunĂ€chst den Gegenstandswert. Hier sind 64.657,00 € fĂŒr eine ErbschaftssteuererklĂ€rung angegeben. War die Erbschaft tatsĂ€chlich ĂŒber diesen Betrag, dann ist die Angabe richtig. Bei anderen ErklĂ€rungen kann hier auch z.B. der Umsatz eines Unternehmens maßgeblich sein.

2.Unter „Bezeichnung“ finden Sie die erbrachte Leistung. Hier: das Fertigen der ErbschaftssteuererklĂ€rung. Der Steuerberater muss zugleich auch bei jeder einzelnen Leistung den entsprechenden Paragrafen der GebĂŒhrenordnung angeben. Hier: § 24 Abs. 1Nr. 12.

Unter folgendem Link finden Sie die jeweils aktuelle Fassung der Verordnung:

https://www.gesetze-im-internet.de/stbgebv

Klicken Sie dort auf den in der Rechnung angegebenen § 24 und lesen Sie die angegebene Nr. 12.

          Sie finden dort:

12. der ErbschaftsteuererklÀrung ohne Ermittlung der Zugewinnausgleichsforderung nach § 5 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes 2/10 bis 10/10

        

Der Steuerberater darf fĂŒr eine durchschnittlich schwierige und durchschnittlich umfangreiche Arbeit die sog. MittelgebĂŒhr berechnen. Diese betrĂ€gt hier:

          2/10 + 10/10 = 12/10 geteilt durch 2 = 6,5/10

Hat der Steuerberater also keine besondere BegrĂŒndung, warum die Arbeit hier besonders umfangreich und schwierig war, muss von einem durchschnittlichen Fall ausgegangen werden. In unserem Beispielfall hat sich der Steuerberater insoweit korrekt verhalten, dass er die BegrĂŒndung gleich mitgeliefert hat (Mehraufwand wegen nachtrĂ€glicher Einreichung von Belegen). ErfahrungsgemĂ€ĂŸ ist dies meist nicht der Fall. Fordern Sie daher bei Überschreiten der MittelgebĂŒhr unbedingt eine ErklĂ€rung an.

3. Unter „Tab“ finden Sie die angewandte GebĂŒhrentabelle. Hier: Tabelle A. Die aktuellen Tabellen finden Sie unter http://www.gesetze-im-internet.de/stbgebv
ganz am Ende bei den Anlagen 1 bis 5.

Unter „Gegenstandswert bis“ bei Tabelle A finden Sie bei einem Gegenstandswert von hier 64.657,00 € die GebĂŒhr bei bis 65.000,00 € in der Tabelle. Hier: 1.179,00 €. Die GebĂŒhren in der Tabelle entsprechen immer einer 10/10-GebĂŒhr. Die in der Regel anzusetzende MittelgebĂŒhr liegt also bei 1.179,00 € x 0,65 (6,5/10) = 766,35 €. Die Abgerechnete GebĂŒhr bei 1.179,00 € * 0,85 (8,5/10) = 1.002,15 €.

Die oben dargestellte Abrechnung ist daher formal richtig und die Werte korrekt ausgerechnet. Die BegrĂŒndung wird aber zum Ansatz einer Höheren als 6,5/10-GebĂŒhr nicht ausreichen. Die Gerichte verlangen hier einen hohen BegrĂŒndungsaufwand. Im Einzelfall kann es zwar sein, dass eine höhere GebĂŒhr gerechtfertigt ist, die Erfahrung zeigt aber, dass in der ĂŒberwiegenden Zahl der FĂ€lle eine ĂŒberhöhte Abrechnung nicht bezahlt werden muss.

Der Steuerberater hat bei der Bemessung der GebĂŒhren als sachgerechte Kriterien insbesondere die Bedeutung der Angelegenheit fĂŒr den Mandanten sowie den Umfang und die Schwierigkeit seiner eigenen vertragsgemĂ€ĂŸen TĂ€tigkeit. FĂŒr die Wahl des Rahmensatzes können jedoch auch weitere tatsĂ€chliche UmstĂ€nde Bedeutung erlangen, so u.a. die Einkommens- und VermögensverhĂ€ltnisse des Auftraggebers. 

Dabei ist die MittelgebĂŒhr, die GebĂŒhr in einer Angelegenheit von durchschnittlicher Bedeutung, durchschnittlichem Umfang der TĂ€tigkeit und von durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad dieser TĂ€tigkeit.

Dabei muss stets der Steuerberater beweisen, dass die angesetzte GebĂŒhr dem entspricht. Ergibt sich dies nicht aus der Abrechnung, mĂŒssen Sie nachfragen und eine ErklĂ€rung verlangen (OLG Hamm, Urteil vom 19. 8. 1998, Az.: 25 U 42–9).

Übernimmt der Steuerberater beispielsweise die Buchhaltung, liegt darin nicht selten eine weit unterdurchschnittliche Aufgabe, die dann nur die MindestgebĂŒhr und nicht einmal die MittelgebĂŒhr rechtfertigen wĂŒrde. Ist der GebĂŒhrenrahmen 2/10 bis 10/10, so wĂ€re die MindestgebĂŒhr hier 2/10. Eine sehr hohe Zahl von Buchungen kann zwar im Einzelfall zu einer Erhöhung fĂŒhren, besondere Kenntnisse in speziellen Bereichen des Steuerrechts etc. zur AusfĂŒhrung der Arbeiten sind aber regelmĂ€ĂŸig nicht erforderlich. Können diese Arbeiten komplett von einem/einer kaufmĂ€nnischen Angestellten bzw. von einem Rechenzentrum ausgefĂŒhrt werden, kann der Steuerberater hier keine hohen GebĂŒhren abrechnen (so auch OLG Naumburg, Urteil vom 15. 5. 2001, Az.: 1 U 91/00).

Macht der Steuerberater die BuchfĂŒhrung zu aufwendig, indem er z.B. ohne speziellen Nutzen und ohne Absprache mit Ihnen Einzelkonten statt Sammelkonten fĂŒhrt, kann er keine höhere GebĂŒhr wegen des Mehraufwandes abrechnen.

Honorar nach Zeit:

Die Abrechnung nach Zeithonorar ist in bestimmten FĂ€llen möglich. Jedoch nur, wenn es hierfĂŒr keine anderen GebĂŒhren nach der GebĂŒhrenordnung gibt oder wenn Sie eine VergĂŒtungsvereinbarung mit Ihrem Steuerberater getroffen haben.

Die VergĂŒtung nach Zeit darf einen Betrag von 70,00 € je angefangene halbe Stunde nicht ĂŒberschreiten.

Der Steuerberater erhĂ€lt die ZeitgebĂŒhr

  • fĂŒr Arbeiten zur Feststellung des verrechenbaren Verlustes gemĂ€ĂŸ § 15a des Einkommensteuergesetzes;
  • fĂŒr die Anfertigung einer Meldung ĂŒber die Beteiligung an auslĂ€ndischen Körperschaften,
  • fĂŒr sonstige AntrĂ€ge und Meldungen nach dem Einkommensteuergesetz;
  • fĂŒr die Überwachung und Meldung der Lohnsumme sowie der Behaltensfrist im Sinne von § 13a Absatz 1 in Verbindung mit Absatz 6 Satz 1, Absatz 5 in Verbindung mit Absatz 6 Satz 2 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes;
  • fĂŒr die Berechnung des BegĂŒnstigungsgewinnes im Sinne von § 34a Absatz 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (BegĂŒnstigung der nicht entnommenen Gewinne).
  • in machen FĂ€llen fĂŒr Vorarbeiten, die ĂŒber das ĂŒbliche Maß erheblich hinausgehen.
  • fĂŒr die PrĂŒfung eines Steuerbescheids.
  • fĂŒr die Teilnahme an bestimmten PrĂŒfungen.
  • fĂŒr die Hilfeleistung bei der Einrichtung einer BuchfĂŒhrung 
  • fĂŒr die Hilfeleistung bei sonstigen TĂ€tigkeiten im Zusammenhang mit der

BuchfĂŒhrung oder dem FĂŒhren steuerlicher Aufzeichnungen.

  • fĂŒr die Hilfeleistung bei sonstigen TĂ€tigkeiten im Zusammenhang mit dem Lohnsteuerabzug und der LohnbuchfĂŒhrung.
  • fĂŒr die Anfertigung oder Berichtigung von Inventurunterlagen und fĂŒr sonstige Abschlußvorarbeiten bis zur abgestimmten Saldenbilanz.   

FĂŒr weitere TĂ€tigkeiten, die sich unmittelbar aus dem Gesetz ( http://www.gesetze-im-internet.de/stbgebv ) ergeben. Am Besten durchsuchen (Strg + f) Sie die Seite nach dem Stichwort „ZeitgebĂŒhr“.

Pauschalen:

FĂŒr einzelne oder mehrere fĂŒr denselben Auftraggeber laufend auszufĂŒhrende TĂ€tigkeiten kann der Steuerberater eine PauschalvergĂŒtung vereinbaren. Die Vereinbarung ist schriftlich und fĂŒr einen Zeitraum von mindestens einem Jahr zu treffen. In der Vereinbarung sind die vom Steuerberater zu ĂŒbernehmenden TĂ€tigkeiten und die ZeitrĂ€ume, fĂŒr die sie geleistet werden, im einzelnen aufzufĂŒhren.

Hat Ihr Steuerberater gegen eine PauschalvergĂŒtung z.B. die laufende BuchfĂŒhrung sowie die Anfertigung von Umsatzsteuervoranmeldungen ĂŒbernommen, kann er seine Leistungen auch dann nicht nach ZeitgebĂŒhren abrechnen, wenn Sie Ihre vertraglichen Mitwirkungspflichten verletzen und der Steuerberater deshalb unvorhergesehene Mehrarbeiten vorgenommen hat. Es bleibt auch in diesem Fall nur bei der Pauschale (so auch OLG DĂŒsseldorf, Urteil vom 3. 5. 2002, Az.: 23 U 152/01).

Pauschalen fĂŒr Post und Telekommunikation:

Der Steuerberater hat Anspruch auf Ersatz der bei der AusfĂŒhrung des Auftrags fĂŒr Post- und Telekommunikationsdienstleistungen zu zahlenden Entgelte. Er kann nach seiner Wahl an Stelle der tatsĂ€chlich entstandenen Kosten einen Pauschsatz fordern, der 20 Prozent der sich nach dieser Verordnung ergebenden GebĂŒhren betrĂ€gt, in derselben Angelegenheit jedoch höchstens 20 Euro.

Einzelne Auskunft und Erstberatung:

FĂŒr einen mĂŒndlichen oder schriftlichen Rat oder eine Auskunft, die nicht mit einer anderen gebĂŒhrenpflichtigen TĂ€tigkeit zusammenhĂ€ngt, erhĂ€lt der Steuerberater eine GebĂŒhr in Höhe von 1 Zehntel bis 10 Zehntel der vollen GebĂŒhr nach Tabelle A (Anlage 1). In der Regel wird hier eine mittlere GebĂŒhr i.H.v. 5,5/10 anzusetzen sein, wenn die Leistung nicht besonders umfangreich oder schwierig war. BeschrĂ€nkt sich die TĂ€tigkeit auf ein erstes BeratungsgesprĂ€ch und ist der Auftraggeber Verbraucher, so kann der Steuerberater, der erstmals von diesem Ratsuchenden in Anspruch genommen wird, keine höhere GebĂŒhr als 190,00 € fordern. Die GebĂŒhr ist auf eine GebĂŒhr anzurechnen, die der Steuerberater fĂŒr eine sonstige TĂ€tigkeit erhĂ€lt, die mit der Raterteilung oder Auskunft zusammenhĂ€ngt.

Zusammenfassung:

PrĂŒfen Sie die Abrechnung anhand der Angaben des Steuerberaters und gleichen Sie die Angaben mit der GebĂŒhrenordnung ab. Bestimmen Sie die MittelgebĂŒhren und verlangen Sie im Fall der Überschreitung eine genaue ErklĂ€rung. 

Gerne können Sie sich auch an mich wenden, wenn Sie eine PrĂŒfung der Rechnung Ihres Steuerberaters vornehmen lassen möchten.

Ihr Rechtsanwalt Florian Schuh

Meine Kontaktdaten finden Sie untenstehend und unter Kontakt.

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Rechtsanwalt Dipl. Jur. Florian N. Schuh

Florian N. Schuh ist Rechtsanwalt und Partner bei den elixir rechtsanwÀlten | martens & partner, Frankfurt am Main, mit den TÀtigkeitsschwerpunkten Handels-, Gesellschafts- und Unternehmensrecht sowie Schutzrechte. KONTAKT Tel.: 069 95 92 91 90 Mail: schuh@recht-hilfreich.de RA Schuh bei LinkedIN

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