Erfahrungen & Bewertungen zu elixir rechtsanwälte Muss man einen schriftlichen Arbeitsvertrag haben? | Unternehmensrecht & Wirtschaftsrecht - elixir rechtsanwĂ€lte - Frankfurt am Main

Muss man einen schriftlichen Arbeitsvertrag haben?

Immer wieder werde ich von Mandanten angesprochen und gefragt, ob man mit Arbeitnehmern einen schriftlichen Arbeitsvertrag machen muss. Offenbar scheuen manche die Arbeit, einen Arbeitsvertrag erstellen zu lassen oder sind mit den vielen verschiedenen Mustern aus dem Internet ĂŒberfordert.

GrundsĂ€tzlich gibt es keine bestimmte Form, in welcher VertrĂ€ge abgeschlossen werden mĂŒssen. Ich kann fast jeden Vertrag mĂŒndlich oder auch nur auf einem Bierdeckel niedergeschrieben abschließen. Egal ob persönlich, per Mail oder am Telefon. Nur fĂŒr wenige VertrĂ€ge gibt es eine vorgeschriebene Form. Der bekannteste ist sicherlich der Kaufvertrag ĂŒber ein GrundstĂŒck. Dieser muss zwingend vom Notar beglaubigt werden. Andernfalls ist er schlicht unwirksam. FĂŒr ArbeitsvertrĂ€ge gibt es aber keine derartigen Regelungen.

Aber: es kann große Nachteile haben, wenn man keinen Arbeitsvertrag mit Mitarbeitern abgeschlossen hat.

Wenig bekannt ist das sogenannte Nachweisgesetz (NachwG). Dieses verpflichtet zwar nicht, einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu schließen, jedoch ist der Arbeitgeber verpflichtet, spĂ€testens einen Monat nach dem vereinbarten Beginn des ArbeitsverhĂ€ltnisses die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederzulegen, die Niederschrift zu unterzeichnen und dem Arbeitnehmer auszuhĂ€ndigen. Da kann man auch gleich einen richtigen Arbeitsvertrag machen.

Dabei sind folgende Punkte mindestens aufzunehmen:

  • der Name und die Anschrift der Vertragsparteien,
  • der Zeitpunkt des Beginns des ArbeitsverhĂ€ltnisses,
  • bei befristeten ArbeitsverhĂ€ltnissen: die vorhersehbare Dauer des ArbeitsverhĂ€ltnisses,
  • der Arbeitsort oder, falls der Arbeitnehmer nicht nur an einem bestimmten Arbeitsort tĂ€tig sein soll, ein Hinweis darauf, daß der Arbeitnehmer an verschiedenen Orten beschĂ€ftigt werden kann,
  • eine kurze Charakterisierung oder Beschreibung der vom Arbeitnehmer zu leistenden TĂ€tigkeit,
  • die Zusammensetzung und die Höhe des Arbeitsentgelts einschließlich der ZuschlĂ€ge, der Zulagen, PrĂ€mien und Sonderzahlungen sowie anderer Bestandteile des Arbeitsentgelts und deren FĂ€lligkeit,
  • die vereinbarte Arbeitszeit,
  • die Dauer des jĂ€hrlichen Erholungsurlaubs,
  • die Fristen fĂŒr die KĂŒndigung des ArbeitsverhĂ€ltnisses,
  • ein in allgemeiner Form gehaltener Hinweis auf die TarifvertrĂ€ge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die auf das ArbeitsverhĂ€ltnis anzuwenden sind.

Sonderregelungen gelten fĂŒr Praktikanten und Arbeitnehmer, die lĂ€nger als einen Monat im Ausland beschĂ€ftigt werden.

Die folgen des Fehlens eines solchen Nachweises können durchaus dramatisch sein. Im Falle einer Klage des Arbeitnehmers (z.B. KĂŒndigungsschutzklage) muss der Arbeitgeber alles beweisen, was normalerweise im Arbeitsvertrag stehen wĂŒrde. Dies gilt z.B. auch fĂŒr Arbeits-, Urlaubszeiten und das Gehalt. Kann der Nachweis nicht erbracht werden, geht dies allein zu Lasten des Arbeitgebers. Zudem kann der Arbeitnehmer jederzeit den Nachweis nach dem NachwG fordern und dies auch gerichtlich geltend machen, was die Anwalts- und Gerichtskosten unnötig erhöht.

Haben Sie Fragen zum Arbeitsvertrag und zum notwendigen Inhalt? Kontaktieren Sie mich!

Ihr Rechtsanwalt Florian Schuh

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Rechtsanwalt Dipl. Jur. Florian N. Schuh

Florian N. Schuh ist Rechtsanwalt und Partner bei den elixir rechtsanwÀlten | martens & partner, Frankfurt am Main, mit den TÀtigkeitsschwerpunkten Handels-, Gesellschafts- und Unternehmensrecht sowie Schutzrechte. KONTAKT Tel.: 069 95 92 91 90 Mail: schuh@recht-hilfreich.de RA Schuh bei LinkedIN

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